"Tatsächlich stand am Anfang die Idee, durch den Verkauf von Cascara mehr Einkommen für die Kaffeebauern zu generieren."

Interview mit Laura Zumbaum, Gründerin und Erfinderin von selosoda aus Berlin

Anfang des Jahres kam selosoda, das erste Erfrischungsgetränk aus der Kaffeekirsche, mittels einer Crowdfunding-Kampagne auf den deutschen Markt. Cosecha sprach mit Laura Zumbaum, Gründerin des erfolgreichen Start-Ups, über ihre Geschäftsidee und Vision für die Kaffeewelt.

CC: Nach dem erfolgreichen Crowdfunding über Startnext Anfang dieses Jahres ist selosoda nun schon seit einigen Monaten auf dem Markt. Wie ist Deine Zwischenbilanz?

Laura Zumbaum, Gründerin von selosoda (Foto: selosoda)
Laura Zumbaum, Gründerin von selosoda (Foto: selosoda)

LZ: Meine Zwischenbilanz fällt generell sehr gut aus trotz aller Hürden die der Getränkemarkt so bietet. Mittlerweile haben wir nicht nur Abnehmer in Deutschland sondern auch in Nachbarländern wie der Schweiz. Wir möchten neben der klassischen Gastro vor allem auch Büros als Konsumenten von selosoda gewinnen, wobei wir auf die Funktionalität unseres Produktes, also seinen hohen Koffeingehalt, setzen.

 

Auch was die Beschaffung der Kaffeekirschen anbelangt, werden wir mit mehr Ursprungsländern zusammenarbeiten und Qualitätsstandards für die Aufbereitung der Cascara einführen.

 

Parallel bauen wir weiter das selosoda-Team auf und beschäftigen uns gerade intensiv mit dem Branding. Es gibt also viele Baustellen gleichzeitig und Fortschritte auf allen Ebenen!

CC:  Cascara ist für Kaffee- und Teekenner durchaus ein Begriff. Die Idee, diese als Basis für ein Erfrischungsgetränk zu verwenden, jedoch neu. Wie kamst Du darauf?

LZ: Tatsächlich stand am Anfang die Idee, durch den Verkauf des Fruchtfleisches der Kaffeekirschen, der sog. Pulpe, mehr Einkommen für die Kaffeebauern zu generieren. Die Strukturen des Kaffeemarktes kannte ich aufgrund meiner vorherigen Tätigkeit bei Coffee Circle bereits. Nun war es meine Intention, ein extrem pures und gleichzeitig konsumorientiertes Produkt auf Basis der Cascara zu kreiren und somit gezielt neue Absatzmärkte für die Kaffeebauern zu erschließen. 

Vor der Einführung von selosoda im Januar 2016 gab es kein Cascara-basiertes Erfrischungsgetränk auf dem deutschen Markt. In den USA boten zwar einige Röster Cascara-Tee mit Fruchtsaft versetzt als eine Art Limo oder Eistee an, jedoch nicht in abgefüllter Form. selosoda ist also durchaus eine Innovation auf dem Erfrischungsgetränke-Markt, dazu noch ungesüßt und reich an Vitaminen und Antioxidantien. 

CC: Das heißt also, dass bei selosoda der Produzent, Anbau und direkter Handel eine zentrale Rolle spielen. Wie läuft das genau ab?

LZ: Ja genau. Und ist es unser erklärtes Ziel, eine Nachfrage für die sonnengetrocknete Kaffeefrucht zu generieren und nicht nur Kunden von selosoda, sondern Kaffeefarmer weltweit von der Aufbereitung des Rohstoffs zu überzeugen. Mit Graciano Cruz in Panama haben wir einen Partner gefunden, der bereits seit vier Jahren seine Kaffee-Pulpe aufbereitet und exportiert und somit über entsprechendes Know-How und Logistik verfügt. Die Kaffeekirschen aus Panama werden von Graciano direkt nach Hamburg oder London exportiert. Den restlichen Transport zu unserer Brauerei in Süddeutschland übernehmen dann wir. Das klappt sehr gut.

Mittlerweile beziehen wir auch Pulpe von einem Produzenten aus Costa Rica. Da dieser jedoch keine Exportkapazität hat, wird der Handel über einen lokalen Exporteur abgewickelt.

 

In beiden Fällen können wir noch keine volle Containerladung beziehen und kaufen demnach einen Schiffscontainer zusammen mit Röstern, die ebenfalls Cascara importieren.

CC: Wie wirkt sich die Aufbereitungsform der Kaffeebohnen, also gewaschen vs. ungewaschen, auf die Cascara aus?

LZ: Die Cascara-Herstellung auf Basis von sog. naturals ist einfacher, da die Pulpe durch Sonnentrocknung von der Kaffeebohne abfällt und dann direkt verwendet werden kann. Natürlich müssen aber auch hier entsprechende Faktoren berücksichtigt werden, um z.B. die Entstehung von Schimmelpilzen bei Lagerung und Transport zu vermeiden.

Die Schalen von nass aufbereiteten Kaffees wiederum müssen maschinell dehydriert bzw. getrocknet werden. Von Vorteil ist jedoch, dass diese dann bereits vor der Trocknung gewaschen sind. Unser Zulieferer aus Costa Rica arbeitet so und hat sich eigens eine entsprechende Maschine zugelegt. Den Dehydrierungs-Prozess hat er soweit optimiert, dass das Aroma der Pulpe voll zur Geltung kommt und gleichzeitig wertvolle Vitamine erhalten bleiben. 

CC: Wie können sich Kleinbauern das nötige technische Know-How aneignen, um ihre Cascara auf dem Markt anzubieten?

LZ: Gerade in Lateinamerika wird Kaffee vielerorts traditionell nass aufbereitet. Das heißt, hier müssen entsprechende Investitionen in Dehydrierungs-Anlagen getätigt werden, um die Cascara-Aufbereitung überhaupt erst zu ermöglichen. Mittelfristig planen wir, unsere Bezugsquellen für selosoda auf weitere Ursprünge wie Peru ausweiten. Dabei werden wir Projekte fördern, um somit Kapazitäten für den Cascara-Handel bei den Kleinbauern vor Ort zu schaffen. Hier werden wir logischerweise zunächst mit Produzenten aus dem Specialty-Bereich zusammenarbeiten, da diese einfach bereits über die nötigen Grundlagen verfügen. Wie bereits erwähnt arbeiten wir daran, einen Qualitätsstandard für die Verarbeitung der Pulpe zu erstellen und vor allem den Know-How-Austausch der Produzenten untereinander zu fördern, damit möglichst viele vom Cascara-Handel profitieren können.

 

Für solche Projekte suchen wir aktuell nach Partnern zur Ko-Finanzierung, z.B. Stiftungen oder andere Geber-Organisationen. Als Start-up können wir zum jetzigen Zeitpunkt noch keine großen Summen aufbringen, doch ist das Potential solcher Projekte vielversprechend und könnte den Kaffeemarkt ein Stück weit revolutionieren. 

CC: Für die Kaffeebauern ist es sicherlich interessant zu wissen, wie viel sie für ihre Pulpe bekommen und wie viel für das Endprodukt benötigt wird.

LZ: Wir bezahlen für die Pulpe in etwa bzw. mindestens so viel, was wir für die entsprechende Menge Rohkaffee derselben Qualität bezahlen würden.

Für die Produktion von einem Liter selosoda benötigen wir ca. 35 – 45g Cascara.

CC: Ausgehend von Euer Mission, eine Nachfrage für die sonnengetrocknete Kaffeefrucht zu generieren, müsstet Ihr es begrüßen, wenn andere Hersteller nun nachziehen?!

LZ: Die Herstellung von Cascara-basierten Erfrischungsgetränken wie Cascara Sparkling sehen wir in dieser Hinsicht durchaus als positive Entwicklung. Und Konkurrenz belebt ja bekanntlich das Business…

Dann wünsche ich ein belebtes Business und viel Erfolg weiterhin. DANKE für das Interview!

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