"Wir möchten mit fairem und direktem Handel sowie ökologischer Produktion einen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten."

Interview mit Thomas Deloy, Geschäftsleitung Marketing und PR der Privatbrauerei Gaffel in Köln

Nachdem die Kölner Brauerei Gaffel bereits der Fassbrause zu Popularität verholfen hat, brachte sie in diesem Jahr Cascara Sparkling, ein Erfrischungsgetränk auf Basis der Kaffeekirsche, auf den Markt. Cosecha hat nachgefragt, wie es um die Nachhaltigkeit des Energizers steht. 

CC: Herr Deloy, halten Sie die Markteinführung von Cascara Sparkling für gelungen? Wie kommt der neue Geschmack beim Verbraucher an?

Thomas Deloy, Leiter Marketing und PR der Privatbrauerei Gaffel (Foto: Privatbrauerei Gaffel)
Thomas Deloy, Leiter Marketing und PR der Privatbrauerei Gaffel (Foto: Privatbrauerei Gaffel)

TD: Mit der Markteinführung sind wir sehr zufrieden. Da wir ein regional geführtes Familienunternehmen sind, haben wir uns zunächst auf unser Kernabsatzgebiet, den Regierungsbezirk Köln, konzentriert. Dort sind wir in vielen Kaffeebars, in der klassischen Gastro, auch in so genannten Szeneläden vertreten. Cascara Sparkling findet man auch im Handel un in den Getränkemärkten und selbstverständlich bei unserem Partner Woyton. Wir bauen nun weitere Vertriebsstrukturen zunächst in Hamburg und Berlin auf. Natürlich kann man uns bundesweit online beziehen.

 

Cascara Sparkling zieht langsam Kreise. Das heißt, dass immer mehr Menschen direkt auf uns zukommen und mehr über uns erfahren wollen. Uns wird auf diesem Weg zurückgespielt, dass wir ein geschmacklich ansprechendes, nicht süßes und sehr kalorienarmes Erfrischungsgetränk mit viel natürlichem Koffein auf den Markt gebracht haben.

CC:  Wie sieht der diesbezügliche Nachhaltigkeits-Anspruch der Privatbrauerei Gaffel aus?

TD: Wir beziehen den Rohstoff von der Hacienda La Esperanza. Sie liegt ca. 500 Kilometer von Panama City entfernt in den Bergen von Alto Lino Boquete. Betreiber ist Pepe Pretto. Seine Kaffeefarm liegt in einem naturgeschützten Regenwald, die sich als eine der wenigen in Süd- und Mittelamerika zu 100 Prozent auf Bio-Anbau konzentriert. Auch hat Pepes Hacienda eine Bird-Friendly®-Zertifizierung des Smithsonian Migratory Bird Center, mit der neben dem ökologischen Anbau besonders der Erhalt naturnaher Waldstrukturen bescheinigt wird. Die eingehaltenen Umweltnormen dienen auch dem Schutz der Vögel. Der Betrieb ist auch von Bio Latina zertifiziert.

CC: Wie gelangt die Cascara von Panama nach Köln? Gibt es Zwischenhändler oder wird die Ware direkt gehandelt?

TD: Der Einkauf der Cascara erfolgt ohne Zwischenhändler direkt beim Produzenten in Panama. Martin Schäfer von Woyton ist regelmäßig dort. Er hat aber auch einen Mitarbeiter ständig vor Ort. Dadurch haben wir den direkten Bezug zum Produkt. Nachdem die Cascara in Panama verpackt wurde, erfolgt der Transport nach Hamburg per Schiff. Die Verarbeitung zu Cascara Sparkling erfolgt dann bei uns am Rhein.

CC: Unterhalten Sie irgendwelche ökologischen oder sozialen Projekte in Zusammenarbeit mit Ihrem Zulieferer Hacienda La Esperanza?

Martin Schäfer mit Clara und Pepe Prette auf ihrer Hacienda (Foto: Woyton)
Martin Schäfer mit Clara und Pepe Prette auf ihrer Hacienda (Foto: Woyton)

TD: Martin Schäfer ist in Sachen Kaffee in allen Anbauländern unterwegs. Er hat 2013 den Verein Kumanga e.V. ins Leben gerufen. Seitdem wurden zwei Brunnen und 16 Toiletten in Mchinji, im Westen Malawis gebaut. Das Ziel ist es, die Hygiene- und Trinkwasserbedingungen zu verbessern.

Die Situation auf der Hacienda La Esperanza ist eine andere. Dort gibt es eine intakte Infrastruktur. Wir halten es für wichtiger durch Direct Trade einen fairen Preis zu garantieren, der über dem Markt- und Fairtrade-Niveau liegt. Dadurch bleibt die Handlungsfähigkeit der zertifizierten Farm erhalten. Dennoch möchten wie uns in der Comarca Panamas, also in der Region, sozial engagieren und suchen derzeit nach einem geeigneten Projekt. 

CC: Und wie sieht es mit der Aufklärung der Cascara Sparkling-Konsumenten zu Themen der Nachhaltigkeit in der Kaffeeproduktion und -handel aus?

TD: Wir möchten mit fairem und direktem Handel sowie ökologischer Produktion einen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten. Dabei konzentrieren wir uns auf unser eigenes Handeln. Unser Partner Woyton beschäftigt sich schon lange mit Nachhaltigkeit. So wird auch die Milch zu fairen Preisen und auf kurzen Wegen direkt bei den Milchbauern eingekauft. Gerade wurde der Verkauf Mineralwasser in den Cafés eingestellt. Stattdessen gibt es jetzt kostenlos gefiltertes Leitungswasser. Auch wir versuchen möglichst viele Zutaten für unser Kölsch aus der Region zu beziehen. So unterstützen wir die heimische Wirtschaft und die Region. Beim Hopfen beispielsweise funktioniert das leider nicht, da er nicht in unseren Breitengraden wächst.

CC: Möchten Sie Ihre Bezugsquellen erweitern, d.h. noch mehr Cascara von unterschiedlichen Kaffeeproduzenten beziehen?

TD: Martin Schäfer hat lange mit der Hacienda La Esperanza an der optimalen Aufbereitung der Kaffeekirschen gearbeitet. Da wir natürlich arbeiten, musste herausgefunden werden, mit welchem Trocknungsgrad der Transport ohne Schimmelbildung möglich ist und dennoch der Geschmack erhalten bleibt. Mit Pepe Pretto haben wir einen Partner gefunden, der in jeder Hinsicht sehr gut zu uns passt und mit dem wir langfristig arbeiten wollen.  

CC: Gibt es Verbindungen zu Start-ups wie selosoda und Caté, die ebenfalls in diesem Jahr ihre Cascara-basierten Erfrischungsgetränke auf den Markt brachten?

TD: Wir haben Cascara Sparkling unabhängig von Aktivitäten anderer Anbieter entwickelt. Es gibt auch keine Verbindungen. 

CC: Gibt es Verbindungen zu anderen Akteuren der Kaffeebranche, z.B. hiesigen Röstern oder Nachhaltigkeits-Standards wie Fairtrade?

TD: Bislang noch nicht. Erstmal konzentrieren wir uns auf unser eigenes Handeln.  

 

Vielen Dank für das Interview!

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